Heute möchte ich euch eine Methode vorstellen, die ich regelmäßig bei der Einführung von neuen Vokabeln verwende: das sogenannte Laufdiktat. Dabei handelt es sich nicht um eine Art Diktat, das man während des Laufens schreibt, sondern vielmehr um ein Methode, sich neue Vokabeln bereits bei ihrer Einführung besonders intensiv einzuprägen. Doch wie funktioniert dies im Detail?

 

Funktionsweise des Laufdiktats

Bei der Einführung von neuen Vokabeln müssen die SuS zunächst den neuen Lehrbuchtext durchforsten und ihnen unbekannte Vokabeln (das sind auch meist die neuen Vokabeln) markieren. Nach einer Besprechung dieser neuen Wörter, werden die Vokabeln mithilfe des Laufdiktats in die Vokabelhefte übernommen. Dafür habe ich bereits eine vierspaltige Übersicht vorbereitet, mehrfach ausgedruckt und außerhalb des Klassenraums im Schulgang aufgehängt.

Vokabeln L4

Die SuS gehen nun nach draußen und sehen sich die erste Vokabel, ihre Eigenschaften, Übersetzungsmöglichkeiten und Merkhilfen an und prägen sie sich so lange ein, dass sie sich diese merken, bis sie wieder auf ihrem Platz sind und das Gemerkte im Vokabelheft notieren können. Anschließend gehen sie wieder auf den Gang und merken sich die nächste Vokabel. Das machen sie so lange, bis sie alle Vokabeln und anderen Informationen aufgeschrieben haben. Sie dürfen dabei die Vokabeln leise vor sich hin murmeln, jedoch ist eine ruhige Atmosphäre unbedingt notwendig, damit alle SuS die Chance haben, sich die Vokabeln zu merken.

 

Intensive Vokabelarbeit, bewegtes Lernen und Spaßfaktor

Einer der größten Vorteile des Laufdiktats ist aus meiner Erfahrung das intensivere Lernen bei der ersten Begegnung mit lateinischen Vokabeln. Dadurch, dass die SuS sich die Vokabel unbedingt einprägen müssen, um sie auch richtig aufschreiben zu können, bleibt sie deutlich länger im Gedächtnis, als z. B. beim reinen Abschreiben von der Tafel. Selbstverständlich bedarf es darüber hinaus vieler weiterer Umwälzungen der Vokabel, d. h. der kontextgebundenen Benutzung, aber dadurch ist die Chance gegeben, sie intensiver zu lernen. Zudem können alle SuS ihren Bewegungsdrang ausleben. Sie sollten zwar nicht rennen. Jedoch ist durch das mehrmalige Laufen von eigenem Platz zur Vokabelübersicht und zurück vorprogrammiert, dass sich jeder SuS bewegen muss. Und in Bewegung lernt es sich viel leichter –  natürlich auch Vokabeln. Des Weiteren trainieren die SuS ihre Konzentrationsfähigkeit beim Merken der Vokabeln, bis sie sie endlich aufschreiben können. Nicht zu vergessen ist der Spaßfaktor. SuS lernen am meisten, wenn sie daran Freude haben, und gerade ein Laufdiktat wurde von meinen SuS mit großer Motivation aufgenommen.

Bisher konnte ich das Laufdiktat mit SuS einer 5. Klasse ausprobieren. Ich denke gerade für jüngere SuS ist diese Methode sehr gut geeignet, gerade weil viele sie bereits aus der Grundschule kennen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie auch in einer 6. Klasse noch gut funktionieren könnte. In den größeren Klassen wird sicherlich die Motivation nachlassen, aber versuchen könnte man es trotzdem, je nachdem, inwieweit die SuS die Methode bereits aus kleineren Klassen kennen.

 

Schwierigkeiten

Das größte Problem, was bisher aufgetreten ist, war die Fehleranfälligkeit hinsichtlich der korrekten Notation. Durch das längere Merken schleichen sich durchaus einige Fehler in die Vokabelhefte der SuS. Daher ist es unbedingt notwendig, eine Sicherungsphase nach dem Laufdiktat einzurichten. Hierfür zeige ich in der Regel die Vokabelübersicht über den Beamer und die SuS haben drei Minuten Zeit, um die von ihnen abgeschriebenen Vokabeln mit dem Beamerbild zu vergleichen und gegebenenfalls zu korrigieren. Ein weiterer Nachteil ergibt sich in der benötigten Zeit. So brauchen die SuS in der Regel 18-20 Minuten um circa 11 Vokabeln mit ihren Merkmalen zu notieren. Schnellere SuS dürfen sich entweder aussuchen, ob sie ein Bild zu den Vokabeln malen oder sich weitere Fremdwörter, Merkhilfen oder Eselsbrücken überlegen möchte. Ebenso sollten alle Gefahrenquellen insbesondere im Klassenraum liegende Rucksäcke und Schultaschen so verstaut werden, dass die Gänge zwischen den Bänken frei sind und die SuS so ungestört entlang gehen können.

 

Laufdiktat als Differenzierungsmöglichkeit

Die Arbeit mit Vokabeln ist grundlegend für den Lateinunterricht. Gerade in den Klassenstufen 5, 6 und 7 (Lehrbuchphase) muss großen Wert auf eine intensive Vokabelarbeit gelegt werden. Das Laufdiktat bietet dazu eine tolle Möglichkeit. Es vereinigt die Vorteile des Lernens durch Bewegung mit der Konzentrationsförderung und dem Spaß am Lernen. Daneben ist es eine Möglichkeit den Lateinunterricht binnendifferenziert zu gestalten, denn jeder SuS arbeitet nach seinem persönlichen Lerntempo und seiner persönlichen Merk- und Konzentrationsfähigkeit.

 

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